Herr Pollesche, Korats sind eine außergewöhnliche Rasse – was macht sie für Sie so besonders?
Die Besonderheit der Korat liegt zum einen darin begründet, dass sie einenatürlich entstandene Rasse ist, die in Thailand ihren Ursprung hat und zusammen mit ihren Cousinen, der Siam und der Burma das Dreigestirn der südostasiatischen Katzenpopulation bildet. Erwähnung finden die drei Rassen bereits im Smud Khoi („Katzengedichtebuch“) des 15. Jahrhunderts.
Für mich sind die Korats außergewöhnliche Katzen, weil sie die Intelligenz der Orientalen mit dem gemäßigten Aussehen mittelschwerer Katzen vereinigen. Das aristokratische Blau und die grünen Augen runden das ästhetische Bild ab.
Es gibt nur eine Hand voll Züchter in Deutschland (wieso so wenige?), was vermutlich Zusammenarbeit (auch über die Grenzen) voraussetzt – funktioniert das gut?
Die Anzahl der deutschen Züchter ist die letzten 10 Jahre fast gleich geblieben. Wir waren immer zwischen 5 und 8. Ich vermute, es ist vielen Züchtern zu mühsam sich in eine kleine unbekannte(re) Rasse einzuarbeiten.
Wir haben momentan in Deutschland 7 Deckkater und ein achter ist noch am Wachsen. Allein diese Zahl bereitet vielen Kopfschmerzen, weil es Teamwork bedeutet. Wenn man dann noch bedenkt, dass manche Koratkater nicht für Fremddeckungen zur Verfügung stehen, kann man verstehen, dass Neuzüchter abgeschreckt sind. Die Deckkater sind teilweise auch untereinander verwandt und enge Linienzucht ist verpönt. Ich werde später noch etwas näher auf dieses statement eingehen.
Im Vorfeld zu diesem Interview habe ich mir vom 1. DEKZV die Statistik für die Koratkatzen schicken lassen. Bis Anfang Dezember 2007 wurden Stammbäume für 39 Koratjungtiere beantragt. Im Jahre 2001 waren es 15. Diese Zahlen sind minimal, im Vergleich zu ungefähr 1000 Britenjungtieren eines Jahres.
Vielleicht sind potentielle Neuzüchter auch verunsichert, weil bedingt durch die wenigen Züchter und Zuchttiere ein elitärer Anstrich entsteht. Ich kann wirklich interessierten Anfängern nur den Rat geben, nicht allein mit einem Koratzüchter zu telefonieren, sondern sich die Seiten aller deutschen Züchter im Netz anzuschauen und mit mehreren versuchen, ins Gespräch zu kommen. Was das elitäre Gehabe betrifft, so reduziert sich das zumeist auf die Formel: Mehr Schein als Sein.
Es ist fast absurd, aber mir kommt die Zusammenarbeit mit dem Ausland oft einfacher als mit meinen deutschen ZüchterkollegInnen vor. Ich habe Tiere aus meiner Zucht nach England und Australien gegeben und war der Mentor eines Schweizer Neuzüchters, der leider dieses Jahr wieder aufgehört hat.
Ich habe Kätzinnen in der Schweiz und in Belgien decken lassen und hatte
schon einen englischen Koratkater für 4 Wochen bei mir, um eine Verpaarung, an der ich sehr interessiert war, zu realisieren. Wenn ich nicht von Anfang an international kooperiert hätte, hätte ich damals nicht meinen Glücksfall von Kater (GIC Aneas av Kalhammeren) aus Schweden bekommen.
Die finnischen Züchter machen perfektes Teamwork vor. Im November haben sie auf einer FIFe Ausstellung 45 (!) Koratkatzen präsentiert. Meiner Meinung nach profitieren die Finnen von einem gut funktionierenden Club, der auch die Jungtiervermittlung macht, sowie einer Einigkeit über das
Erscheinungsbild einer Korat. Wir haben einen Standard für die Korat und der ist eben nicht beliebig auslegbar und nach persönlichem Gusto zu interpretieren. Wenn eine Uniformität bei den Katzen zu erkennen ist, wird diese wesentlich leichter als Rasse bei den Richtern und dem Publikum wahrgenommen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die internationale Zusammenarbeit sehr gut funktioniert. Fünf der derzeitigen Deckkater sind Importe aus Nordamerika. Nicht nur ich, sondern auch andere deutsche Koratzüchter pflegen internationale Kontakte, die meisten nach Amerika und Kanada, während meine züchterische Arbeit mehr mit englischen und finnischenZüchtern besteht.



Was denken Sie, woran das „überschaubare“ Interesse liegt - an für Laie vergleichbaren blauen Rassen wie z.B. der Russisch Blau?
Diese Frage habe ich teilweise schon beantwortet. Die Russisch Blau hat den Vorteil, bekannter als die Korat zu sein. Besonders gelungen scheint mir die Kombination von amerikanischen und europäischen Linien. Das sehr helle Fell, der elegante Körperbau und die smaragdgrünen Augen strahlen eine polarisierende Faszination aus. Das doppelte Fell verleitet zum Streicheln. Jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht Werbung für die Russen mache, es geht hier schließlich um die Korat.
Eine Korat kann neben einer Russisch Blau „schlicht“ aussehen. Wie gesagt kann, muss aber nicht. Eine standardgerechte Korat, die Silbertipping, einen guten Körperbau (semi-cobby!) und genug Breite für das Kopfherz hat, hinterlässt ebenso Eindruck wie eine Russisch Blau mit den richtigen Standardattributen. Wenn die Korat noch mit dem richtigen „Ausdruck“ (Breite zwischen den Augen, übergroße runde Augenform und strahlendes Peridotgrün) ausgestattet ist, merkt jeder Laie, dass er es hier mit einer Katze zu tun hat, die eben nicht auf einem deutschen Bauerhof um die Ecke geboren wurde.

EC Kobalt Moon River (so sollte das "tipping" aussehen)

Wir Koratzüchter erhalten regelmäßig Anrufe über eine gefundene „Koratkatze“ die auf jeden Fall eine ist, weil „sie auch so anhänglich ist und ganz grüne Augen hat“.

Die Kopfform einer Korat ist harmonisch, wenn das richtige Verhältnis von Rundungen, Breite und Linien vorhanden ist und ein kräftiges Kinn die Herzform stützt. Dann ist der Koratkopf und das Profil nämlich nicht das einer Russisch Blau oder einer Burma, sondern etwas sehr gelungen Anderes und ich werde mich hüten zu behaupten, es sei die Mischung aus einem Russisch Blau – und einem Burmakopf, denn dieses Klischee geistert in einigen Köpfen.

CH Kobalt Valentino, Jungkater mit hervorragendem Kopf (Besitzerin: Katja Ettl)


Die Rasseattribute sind bei der Korat vielleicht nicht so durchgezüchtet wie bei der Russisch Blau oder anderen bekannten Kurzhaarrassen. Wichtig wäre, dass die Züchter ihre besten Tiere auf den Ausstellungen präsentieren und dem Publikum eine einheitliche (!) Korat vorstellen. Nur so festigt man die Rasse im Bewusstsein der Laien und kann auf einen Wiedererkennungswert bauen.

Vom Temperament sind Korats lebhafter als Russen. Sie können auch gesprächiger sein. Als besonders vorteilhaft empfinde ich, dass Korats sich sehr an ihre Besitzer binden.
Der Pflegeaufwand bei einer Korat gestaltet sich äußerst gering, da die Katzen ein kurzes einfaches Fell ohne Unterwolle haben und daher nicht haaren.



Erbkrankheiten (GM1+2) haben die Züchter mittlerweile gut im Griff – was muss ein Käufer darüber wissen?
Ich hatte gehofft, diese Frage würde nicht wieder gestellt. Käufer werden über Gangliosidose informiert. Die Gesundheitszertifikate der Elterntiere werden vorgelegt. Es existiert eine FIFezuchtregel, die besagt, dass nur mit GM-freien Tieren gezüchtet werden darf. In Deutschland, nein in ganz Europa, wird nicht mehr mit Trägern gezüchtet. Das Testprogramm, das Ende der 90er Jahre lief ist vorbildhaft und wird auf wissenschaftlichen Kongressen auch so beschrieben. Wir hatten das Glück über Dr. Baker die Korats als Forschungsgruppe für die Entwicklung des DNA-Tests zu bekommen. Dr. Baker hatte zuvor schon mit Siamkatzen geforscht, aber die Testgruppe war nicht groß genug, bzw. die Ergebnisse nicht signifikant. Der Test wurde 1997 von ihm und einem italienischen Veterinär entwickelt. Jungtieren konnte schon im Alter von 8-10 Wochen Blut abgenommen werden und nach Amerika zum Testen geschickt werden. Ab 2002 hatte Laboklin dann den Test und es konnte alles relativ schnell in Deutschland erledigt werden. Ich erinnere mich noch mit Grauen an die Blutabnahme meiner ersten beiden Würfe, die damals noch getestet werden mussten. Zum Glück wusste meine Tierärztin bereits, dass nicht die kleinen Korats Schwierigkeiten machen würden, denn die hielten brav die Pfoten zur Blutabnahme hin, sondern dass ich die Kreislaufprobleme beim Anblick bekomme

Der sehr enge Genpool der 80er Jahre und die damit verbundenen Inzuchtverpaarungen beschleunigten die rezessiv autosomal vererbte Krankheit bzw. schufen neue Träger.  Der DNA-Test, der Import neuer Linien, das Einkreuzen von Korats aus Thailand und der offene Austausch über Trägertiere hat innerhalb von 2-4 Jahren die Rasse neu aufblühen lassen. Gangliosidose (bei Korats) ist ein
Thema des letzten Jahrhunderts. In meinem letzten KE-Artikel (2004?) habe ich bereits darauf hingewiesen, dass GM der Vergangenheit angehört. Ich hoffe, dies sind nun wirklich die letzten Zeilen, die ich öffentlich zu diesem Thema schreiben muss.
Artgenossen, Kinder, Hunde, Großfamilie, Single, Hektiker, Stoiker – was wäre für eine Korat das ideale Zuhause?
Koratgeschwister eignen sich hervorragend für einen Singlehaushalt oder einen Haushalt, in dem beide Partner arbeiten. Bei Familien mit älteren Kindern, die den nötigen Respekt vor Tieren und Feinmotorik haben, können Korats auch als Einzeltiere gehalten werden, wenn ausgiebig mit ihnen gespielt wird und sie mit im Mittelpunkt des Familienlebens stehen.
Hektikern würde ich prinzipiell von einer Katze ab- und eher zu einem Yogakurs raten.
Stoiker verfügen vermutlich nicht über den erforderten Elan um knifflige Spiele für die kleinen Energiebündel zu entwerfen. Aber nun im Ernst, die Korat ist eine relativ unkomplizierte Rasse, die sich leicht in Haushalte einlebt und sich dem Umfeld anpasst. Ich habe relativ wenig Erfahrung mit Hunden, aber Korats aus meiner Zucht leben mit Schäferhunden und Spanieln zusammen. Oft spielen die Korats lieber mit einem Hund als einem ruhigen Perser. Die meisten katzenfreundlichen Hunde (Boxer, Retriever, Dalmatiner) eignen sich für Korats.
Zum idealen Zuhause einer Korat gehört ein deckenhoher stabiler Kratzbaum, genügend Spielzeug, Halter, die sich gerne mit ihren Tieren beschäftigen und deren Intelligenz fordern.
Ein katzensicherer Balkon bzw. ein eingezäunter Garten machen das Haus zum Koratparadies.

 

 

 

 


Gibt es etwas, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Wir haben die letzten Jahre viel erreicht und konnten die Züchterzahl und Würfe pro Jahr stabil halten. Das sehe ich als positives Zeichen an.  Was mich etwas erstaunt sind Anrufe von Interessenten, die von Koratzüchtern berichten, die über 950 € für ein Jungtier (Liebhabertier, kein Zucht- oder Ausstellungstier) verlangen. Das ist meiner Meinung nach überzogen und kontraproduktiv, um die Korat bekannter zu machen.
Fast alle deutschen Koratzüchter orientieren sich an den Preisen für eine (Liebhaber-) Abessinier oder Russisch Blau.


Die Korat wird seit 30 Jahren in Deutschland gezüchtet und ist seit 1982 bei der FIFe anerkannt. Sie gehört nicht zu den seltenen „S-Rassen“: Singapura, Sokoke und Savannah, die wirkliche Raritäten darstellen und von maximal zwei bis drei Züchtern in Deutschland gezüchtet werden. Für eine Sokoke muss man wahrscheinlich nach Skandinavien reisen.
Ich kann nur jedem Katzenliebhaber raten, sich bei mehreren Koratzüchtern kundig zu machen und sich nicht von „besonderen Linien“ (was auch immer das sein mag) bei der Preisfrage vertrösten zu lassen. Sicherlich ist Katzenzucht ein teures Hobby und jeder Züchter versucht, seine Unkosten wieder zu bekommen, aber niemand wird gezwungen jedes zweite Wochenende Hunderte von Kilometern zu fahren, um sich mit Kaffeetasse hinter seinen Käfig zu setzen. Wenn dieses Kilometergeld als Ausgaben bei der Jungtieraufzucht auftaucht finde ich das reichlich dreist. Diese Kritik gilt für Züchter aller Rassen.
Ausstellungen sind natürlich wichtig. Leider geht eine einzelne Korat oft unter und findet keine Beachtung. Es wäre wünschenswert mindestens 4-8 Korats auf jeder Ausstellung zu haben, die nebeneinander platziert sind und die besten Vertreter der Rasse darstellen. Ausgestattet mit einem für
Showkatzen unabdingbaren gelassenen Temperament. Singende Kater und übellaunige Kätzinnen sind nicht die beste Reklame.
Ich habe mehrfach in diesem Interview auf typvolles Aussehen hingewiesen. Wir hatten lange Zeit die Ausrede, Katzen zu züchten, die selten sind und in den Kinderschuhen der Rassezucht stecken.
Meiner Meinung nach ist dieses Zeitfenster seit ein paar Jahren geschlossen und statt sich auf einem Sonderstatus auszuruhen und auch wenig typvolle Korats als Kostbarkeit anzupreisen, sollte nun endlich der Typ so gefestigt werden, dass echte Chancen beim Nominieren gegen Abys, Burmesen und Russen bestehen.
Züchter sollen sich Gedanken machen (Zuchtplanung) und reiflich überlegen, mit welchen Tieren sie weiterzüchten. Hier sind wir beim kritischen Blick in die eigene Cattery.  2007 hat die erste Korat in Deutschland den DM-Titel (IC Chintana v. Rominten DM) erreicht und zwei Deckkater haben schon länger den EC-Titel (EC Pewterpaws Nai Si Fah Rahk und EC Ka-thu of San-Chai). Auf unseren Sonderschauen sind immer ungefähr 20 Korats. Hierauf können wir stolz sein. Wir haben lange für die Korat gearbeitet, jetzt ist es an der Zeit, mit der Korat zu arbeiten.

Interview März 2008 für Katzen Extra

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